Bildgestaltung ist die eigentliche kreative Arbeit eines Fotografen. Welches Motiv gewählt wird, wie das Bild aufgebaut ist, wann auf den Auslöser gedrückt wird, bestimmt die Person hinter der Kamera. Hier kann ihm / ihr keine Automatik, keine Unterstütung durch künstliche Intelligenz die Entscheidung abnehmen.
Bildgestaltung, es gibt unzählige Pulikationen zu diesem Thema. Ich selbst mache mir nach etwa 50 Jahren mit der Kamera zu diesem Thema beim Fotografieren eigentlich keine großen Gedanken. Informationen zum Thema Bildgestaltung gibt es als Bücher, als Zeitschriften, als Video auf YouTube, Facebook, TikTok und was weis ich sonst noch. Es werden irgendwelche Gesetzmäßigkeiten rauf und runter ziterert. Grade in deutscher Fachliteratur zu irgendwelchen spezifischen Themen gibt es eigenlich immer einen großen Block mit Bildgestaltung, weiß der Teufel warum. Eigentlich kein Thema, mit dem ich mir als Blogger noch meine eigenen Sporen verdienen kann. Was ich allerdings vermisse ist das WARUM! Wo liegen die Grundlagen, nachvollziehbar und transparent?
Warum Bilder gestalten?
Wie oben schon angesprochen, ich habe viel Litteratur zum Thema Bildgestaltung. Bücher, Zeitschriften, Texte und Videos aus dem Internet. Alles gleicht sich irgendwie, vieleicht nicht abgeschrieben aber wohl doch nacherzählt. Da wird geredet von Gestaltungsgesetzen, die aber gleich wieder mit Ausnahmen relativiert werden. Da wird vom Goldenen Schnitt geschwärmt, da wird dieses Verhältnis mit der Eulerschen Zahl oder Pi gleichgesetzt, aber die einfachsten Fragen nach deren Anwendung werden nicht schlüssig beantwortet.
Um mich dem Thema zu nähern eine ganz rudimentäre, wenn auch rhetorische Frage: Warum werden Bilder, Mosaike, Skulpturen angefertigt? Damit sie betrachtet werden. Vieleicht ganz verschämt vom Erschaffer selbst, meist aber von dessen Verwanten, Freunden, Bekannten und Personen, die keine Beziehung zur Quelle haben. Die Vermutung liegt nahe, dass der Grund für eine Bildgestaltung hier, bei den Betrachtern des Werks zu suchen ist. Sie müssen erkennen, worum es sich überhaupt handelt, was dort dargestellt worden ist. Da ist die Frage, was hat den Erschaffer dazu bewogen, dieses Bild anzufertigen. Sie, die Betrachter müssen den Inhalt Erkennen um vom Ersteller überhaupt abgeholt werden zu können. Das Erkennen kann sowohl auf einer kurzzeitigen, intuitiven Basis geschehen als auch über eine kognitiv, intellektuelle Erschließung des Inhaltes geschehen. Es gibt da wohl kaum Einschränkungen, es ist eher die Frage, was der Ersteller dem Betrachter zumutet.
Sofern ich nicht ausschließlich fürs Archiv arbeite, ist Fotografie immer eine Art der nonverbale Kommunikation. Ich konserviere einen Ausschnitt meiner optischen Wahrnehmung und gebe diese Konserve in Form eines Bildes weiter. Fotografie gleicht daher den bildenden Künsten mit Pinsel, Spachtel, Meissel und Hammer.
Ist Fotografie eine Sprache, sind die Bildinhalte die Worte, wird noch eine Syntax benötigt. Diese wird durch Wahrnehmung des Betrachters vorgegeben. Hier muss das Bild wahrgenommen, „gesehen“ werden. Bildinhalte müssen ergänzt und interpretiert werden um den Bildinhalt verstehen zu können. Seine Aufmerksamkeit kann durch die Bildinhalte gelenkt werden um ihn zum Motiv zu führen.
Vermutungen zur Bildgestaltung
Ich bin kein ausgebildeter Psychologe.
Es bringt mir
Gestaltungsebenen in der Fotografie
Fotografien sind Dinge, die über einen technischen Prozess entstehen und die vom Betrachter wahrgenommen werden. Einflüsse auf die Bildgestaltung lassen sich überwiegend eindeutig einem Bereich in der Entstehungs- bzw. Nutzungskette zuordnen.
Physik | Licht ist ein physikalisches Phänomen, es hat seine eigenen Gesetzmäßigkeiten |
Gestaltwahrnehmung | Gestaltwahrnehmung ist ein elementarer Prozess der optischen Wahrnehmung |
Farbwahrnehmung | Farben sind die Interpretation des Lichtspektrums, im Fachchinesisch der Psychologen „Perzepte“ genannt. In den Augen wird das Lichtspektrum durch Nervenzellen mit einer, gegeneinander versetzten Spektralempfindlichkeit erfasst. Aus den unterschiedlichen Potentialen wird die Lichtqualität „Farbe“ abgeschätzt / interpretiert. Da ergibt schon deshalb Sinn, weil nicht an jeder Stelle des Bildes im Augapfel eine Spektralanalyse durchgeführt werden kann, die Konzepte der Natur sind durchaus effizient. |
Einflüsse der Kamera | Die Kamera ist das Werkzeug des Fotografen. Wie es als solches gebraucht wird, entscheidet mit über das Aussehen des Bildes. Es gibt viele Analogitäten in der Arbeitsweise einer Kamera im Vergleich zum Sehen, aber auch Abweichungen, die genutzt werden können. |
Übergeordnette Einflüsse | Konzepte, Aufmerksamkeitssteuerung und Co. |
Physik
Physikalischen Einflüsse
- Lichtbrechnung
- Farbtemperatur
- Reflektion
- Absorption
- Streuung
- Polarisation
- Kontraste
- Ausrichtung
Graphik
Gestaltwahrnehmung
- Objekterkennung und Segmentierung
- Abbildung und Perspektive
- Räumliche Tiefe
- Brennweite
- Linien, Punkte, virtuelle Linien
- Flächen
- Rahmen
- Umrisse und Formen
- Gewichtung und Balance
- Ebenen
- Symmetrie und Muster
- Szene und Bewegung
Farben
Farbwahrnehmung
- Trichromatizität
- Kulturelle Bedeutung von Farben
- Gewichtung und Kontraste
Kamera
Einflüsse der Kamera
- Bildaufbau
- Tiefenschärfe und Fokus
- Timing
- Belichtungsdreieck
- Bewegung
- Körnung und Detailauflösung
- Bildformat und -orientierung
- Dynamikumfang
- Filter
- Bildstabilisierung
Totale
Konzepte und Co.
- Aufnahmekonzept
- Aufnahmetechniken
- Templates
- Art der Fotografie
- Aufmerksamkeitssteuerung