Mein Aufenthalt in Bad Rothenfelde war nicht unbedingt freiwillig und geplant. Ehrlich gesagt, eine Woche vor meinem Eintreffen in dem Ort wusste ich nichts von dessen Existenz. Der Marschbefehl kam von meinen Ärzte, die Kosten des Aufenthalts übernahmen Krankenkasse und Rentenversicherung. Bereits bei der Anfahrt fielen mir zwei Bauwerke schon allein wegen ihrer Größe auf: Die Gradierwerke. Die kurze OP (2,5 Stunden Dauer) war am Folgetag (Freitag), am Montag bin ich vom Krankenhaus in den Kurbetrieb der Schüchtermann Klinik. Also Los, das Klinikfutter ist gut, aber auf Dauer Langweilig, also zunächst eine Kanzlerplatte, dann hin zum Alten Gradierwerk. Meine Lunge war von der Operation etwas angegriffen, die Reizluft um das Gradierwerk tat durchaus gut.

Salinen

Salz, Natriumchlorid, ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens, also auch des des Menschen. Es wurde und wird für den Stoffwechsel der Lebewesen benötigt, Die Salzkonzentration im Blut der Lebewesen beträgt 0,9%. Es ist unumgänglich, diese Konzentration aufrecht zu erhalten. Wir nehmen es mit der Nahrung zu uns, Viehzüchter geben es teilweise dem Futter zu. Selbst Papageien im Amazonas besuchen regelmäßig Mineralstoffreiche Vorkommen. Zusätzlich ist es bereits seit der Frühzeit der Zivilisation als Konservierungsmittel verwendet. Es ist daher selber ein weit verbreitetes Handelsgut.

Grade als Handelsgut haben viele Salzvorkommen eine unangenehme Eigenschaft: Sie liegen in Form von Sole, also einer mehr oder weniger konzentrierten Salzlösung vor. Flüssigkeiten sind schwerer zu Transportieren, benötigen spezielle Gefäße. Und: Das Wasser in der Sole erhöht unnötigerweise den Transportaufwand. Das Salz in der Sole muss also vom Wasser befreit werden. Üblicherweise geschah dieses in der Vergangenheit durch Verdampfen des Wassers über einem Feuer. Das Feuer für das Verdampfen des Wassers benötigt viel Brennstoff, Wasser zu erhitzen ist sehr Energieintensiv. Dieses Kostete auch in der Vergangenheit sehr viel, es wurde deshalb nach Lösungen für dieses Problem gesucht.

Gradierwerke

Gradierwerke sind seit dem 16. und 17. Jahrhundert eine Lösung, die Salzkonzentration innerhalb einer Sole ohne viel Energieeinsatz zu erhöhen. Sole wird über eine Wand aus Reisig, überwiegend Schwarzdornreisig, herabgerieselt. Dabei verliert die Sole Wasser und sie konzentriert sich. Ein Nebeneffekt ist die Reinigung der Sole von gelösten Fremdstoffen wie Kalk oder Gips. Wird dieser Vorgang kaskadenartig wiederholt, kann die Konzentration in der Sole bis fast zur Sättigungsgrenze angehoben werden. Energie wird hierbei fast ausschließlich für das Pumpen der Sole auf das Gradierwerk benötigt. Diese Bauwerke werden als Gradierwerke bezeichnet und waren in der Vergangenheit integraler Bestandteil der kommerziellen Salzproduktion. Eine Besonderheit dieser Gradierwerke ist, das für ihre Konstruktion kein Metall verwendet werden kann, dieses Korrodiert schnell und verliert seine Funktion.

Heue werden Gradierwerke im Kurbetrieb zur Heilung von Lungenerkrankungen eingesetzt.

Bad Rothenfelde


Altes Gradierwerk

  • Erbaut: 1773-1777, Länge 175 Meter, Höhe 13 Meter
  • Teileinsturz Juli 1989
  • Sanierung 1994-1996, Neue Länge: 114 Meter

Neues Gradierwerk

  • Größtes stützfreies Gradierwerk Westeuropas
  • Länge 412 Meter
  • Höhe 10 Meter
  • Erbaut: 1822
  • Das Gradierwerk besitzt einen Besucherzugang und eine Nebelkammer im Inneren

Quellen

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