Tündern

Tündern


Tündern, heute ein Ortsteil von Hameln. Es ist nicht zwingend notwendig, diesen Ort im Weserbergland zu kennen. Es ist auch keine Bildungslücke. Es ist allerdings für mich der Ort, in dem ich geboren wurde, in dem ich aufwuchs, in dem ich einige Jahre zur Schule gegangen bin und in der ich immer noch wohne und voraussichtlich sterben werde. Das hört sich jetzt jetzt stark nach Lokalpatriotismus an, aber ich liebe auch die Orte hier im Umfeld: Prag, Paris, London, Kairo, New York, LA, Buenos Aires, Melbourne, Sidney, Kapstadt und wie sie nicht alle heißen.



Impressionen


Einwohnerentwicklung

  • 1689 hatte der Ort 468 Einwohner,
  • 1848 752 Personen und 106 Wohngebäude.
  • 16.06.1933: 1.043 Einwohner
  • 13.09.1950: 2.044 Einwohner
  • 31.12.1972: 2.162 Einwohner
  • 31.12.2009: 2.985 Einwohner
  • 31.12.2016: 2.608 Einwohner

Timeline

Urkundlich wurde Tündern das erste mal 1004 als “Tundirum” in einer Urkunde des Klosters Kemnade erwähnt, seit Anfang 1973 ist der Ort ein Ortsteil von Hameln. Dazwischen immer wieder Wechsel in der Zuordnung zu verschiedenen Ämtern in der Nähe. Heute ein Wohnort im Speckgürtel von Hannover wie viele andere auch: Kirche, Schule, Landwirtschaft, etwas Gewerbe, Kiesgewinnung.

1004Erste urkundliche Erwähnung als “Tundrium” in einer Urkunde des Klosters Kemnade
1583Hinrichtung nach einem Hexenprozess: Die Walterbergische, die Flentsche und die Schutmensche
26.07.1757Schlacht bei Hastenbeck. Die Schlacht fand zwar in der Nachbarschaft statt, die tündernsche Bevölkerung war über die Weser nach Ohr evakuiert / geflohen.
1913Haltestelle an der Bahnlinie Hannover – Altenbeken
1964Einstellung des Personenverkehrs am Tünderschen Bahnhof
01.01.1973Eingemeindung nach Hameln im Rahmen der niedersächsischen Gebietsreform. Ende der Selbständigkeit als Gemeinde.

Herkunft des Ortsnamen Tündern

Was ich hier jetzt aufführe ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern ich habe die Fakten und die Kerninterpretation aus der Dorfchronik von Fr. Ilse Kalvelage (Tündern, das Dorf im Weserbogen) übernommen. Man muss das Rad nicht immer neu erfinden. Für die Erklärung des Ortsnamens gibt es zwei unterschiedliche Erklärungsansätze:

  1. Zaunwaldheim
  2. Siedlung im Sumpfland / -wald

Zaunwaldheim

Diese Interpretation des Namens stammt von Freiydank (Bedeutung der Ortsnamen des Kreises Hameln-Pyrmont, Hameln 1929). Der Autor interpretiert Tun als Zaun und -dirum als drum herum. Allerdings ist ein Ort mit einem Zaun darum nicht ungewöhnliches und auch kein Freistellungsmerkmal. Zäune wurden damals häufig verwendet um unerwünschte Besuche von Raubzeug wie Bären, Wölfe, Luchse und Steuereintreiber zu minimieren oder zu verhindern.

Siedlung im Sumpfland / -wald

Die erste urkundliche Erwähnung Tünderns geschah 1004 als „Tundirum“ in einer Urkunde des Klosters Kemnade. König Heinrich II. beurkundet in dieser, dass das Kloster Kemnade in den Reichsschutz aufgenommen wurde. Da dieses Kloster in Tündern Besitzungen hatte, wurde hier der Ort erwähnt. Es ist also davon auszugehen, dass der Ort schon länger existierte.

Die Ableitung „Siedlung im Sumpfland / -wald“ basiert auf dem Althochdeutschen, der damals gesprochenen Sprache (750 bis 1050 lt. Wikipedia).  In dieser Sprache bedeutet:

  • Tun, tün, thun, thün oder dun, dün, dum, düm so viel wie Sumpf, Morast, Moor, Moder. Die Silbe ist auch in anderen Ortsnamen wie Tuningen, Tungerloh, Dunau, Dunum, Orte an Flüssen.
  • Di, dir oder gleichbedeutend te, ter, ther, der steht für Baum, plural Wald.
  • Die Endung hem, em, en wird als Heim, Siedlung gedeutet.

Die Bandbreite erklärt sich aus dem Fehlen einer standardisierten Einheitsschrift für das Althochdeutsche, Rechtschreibfehler gab es damals nicht.

Plausibilisierung

Für die Interpretation als Siedlung im Sumpfland / -wald sprechen einige Auslegungen:

Flurbezeichnung

Für die Bezeichnung einer Flur oder einer Siedlung wurden meist beschreibende, redende Namen verwendet, die einen eindeutigen Hinweis auf dieses Areal gibt. Zudem beruft sich die Ableitung des Ortsnamen als Siedlung im Sumpf auf die damals gesprochenen und geschriebenen Sprache.

Topografie

Ich nehme wieder Bezug auf die Dorfchronik. Danach war der Verlauf der Flüsse Weser und Emmer zum Zeitpunkt der ersten urkundlichen Erwähnung ein anderer als er heute ist. Die Weser bog damals auf der Hohe der heutigen Weserbrücke nach rechts ab und passierte den Ort östlich. Der Emmer nutzte den heutigen Flussverlauf der Weser südlich und westlich des Ortes. Zwischen diesen Flüssen befand sich eine ebene Fläche ohne nennenswerte Erhöhung. Ich gehe davon aus, dass die damaligen Flüsse nicht das Erscheinungsbild der ausgebaggerten Kanäle der Gegenwart wentsprechen, sondern schon von sich aus eher in die Breite gehen und sich ihren Flusslauf selber suchen. Folge sollte sein, dass die Tündersche Ebene von vielen kleinen bachähnlichen Seitenarmen durchsetzt war. Insgesamt ein sehr feugtes Areal.



Quellen

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