Olympus Live – Composite
Schloss Hämelschenburg

Olympus Live – Composite

Langzeitbelichtung bereitet einige Probleme, die nicht ohne weiteres umgangen werden können. Eines der Probleme resultiert aus der kumulativen Lichtsammlung auf den Sensorzellen des Sensors. Während der Belichtung wird die auf den Sensor einfallende Lichtmenge immer hinzugefügt. Dieses führt dazu, das Bildstellen, die mehrfach oder zu lange während der Belichtungszeit Licht abbekommen leicht überbelichtet werden können. Wird die Belichtung entsprechend verkürzt oder die Kamera entsprechend abgeblendet, besteht die Gefahr, dass dunkle Bildteile nicht ausreichend Belichtet werden und schwarz bleiben. Der Dynamikumfang des Sensors wird also leicht überschritten. Zusätzlich kann es zu Schwierigkeiten kommen, wenn die Belichtungszeit schwer zu kalkulieren ist, weil die Abläufe unvorhersehbar sind, wie z. B. bei Feuerwerken oder im Straßenverkehr. Olympus Kameras kennen nun einen erweiterten Modus für die Langzeitbelichtung, der dieser Problematik sehr entgegen kommt: Live Composite.

Langzeitbelichtung mittels Live Composite des Schloss Hämelschenburg / Emmerthal
Schloss Hämelschenburg – Live Composite Olympus OM-D E-M1 Mark II 1,6 sek. / F6,3 ca. 40 Frames

Digitale Fotografie hat gegenüber der klassischen Fotografie mittels Film einen Vorteil: Es handelt sich um ein, aufgrund von Sensorwerten, errechnetes Bild. Wie diese Werte entstanden sind, ist egal. Genutzt wird diese Eigenschaft unter anderen beim

  • Focus Stacking um die Schärfentiefe zu erhöhen, beim
  • HDR um den Dynamikumfang der Natur an den der Kamera anzupassen oder in der
  • Astrofotografie um Fehler bei den extremen Belichtungszeiten zu reduzieren.

Alle diese Aufnahmetechniken basieren darauf, dass die gesamte Belichtungszeit auf mehrere Teilbelichtungen aufgeteilt werden, aus denen anschließend das finale Bild errechnet wird. Live Composite nutzt eben diesen Weg für den Bildaufbau bereits kameraintern aus.

Anwendbar ist dieser Modus unter anderen bei:

  • Feuerwerk
  • Lichtmalerei
  • Straßenszenen
  • Sternspuren
  • Wolken
  • Gewitterfotografie.

Zudem ist der Modus relativ tolerant gegenüber der Grundhelligkeit, er kann bereits ab einer Belichtungszeit von 1/2 Sekunde verwendet werden.

Bei der Einstellung des Live Composite ist Olympus nicht einheitlich vorgegangen, abhängig vom Kameramodell ist der Modus unter unterschiedlichen Einstellungen der Progammwählscheibe zu finden:

  • B (BULB) bei den neueren Modellen OM-D E-M1X, OM-D E-M1 Mark III, OM-D E-M5 Mark III
  • AP (Advanced Photography) bei den Modellen E-PL9 und E-M10 Mark III
  • M (Manuell) bei der OM-D E-M1 Mark II und OM-D E-M5 Mark II.

Bei meinen beiden Olympus Kameras (OM-D E-M1 Mark II und OM-D E-M5 Mark II) verbirgt sich der Modus nach einstellen der Programmwählscheibe hinter den langen Belichtungszeiten.

Ablauf Belichtung

Was geschieht nun beim Live Composite?

Voraussetzung für eine Live Composite Aufnahme ist ein Stativ, sofern scharfe Aufnahmen erwünscht sind. Die Aufnahme dauert lange und die Kameraposition sollte während der Zeit nicht verändert werden. Ist der Bildausschnitt auf dem Sucher (Monitor) gewählt worden, kann der erste Schritt der Aufnahme eingeleitet werden. Hierzu wird der Auslöser das erste mal gedrückt. Die Aufnahme kann nun vorbereitet werden. Hierzu zählt die Wahl des richtigen Fokuspunktes oder die manuelle Einstellung der Fokussierung. Die Wahl der Belichtungswerte erfolgt manuell. Hierzu muss zunächst einmal die Belichtungszeit eingestellt werden. Dieses ist nicht wie bei einer manuellen Belichtung über das vordere Einstellrad möglich, sondern geschieht durch drücken der Menu – Taste. Über die Auswahl kann im Menu der Referenzwert für zusammengesetzte Aufnahmen festgelegt werden. Hierzu stehen Belichtungszeiten von 1/2 Sekunde bis zu 60 Sekunden in Stufen zur Verfügung. Der entsprechende Menu – Punkt lässt sich auch unter Werkzeuge E2 finden. Ist die Belichtungszeit für eine Teilbelichtung festgelegt, kann mit Hilfe der Lichtwaage und des optischen Eindrucks auf dem Sucher die Belichtung über die Blende regulieren werden.

Ist die Aufnahme vorbereitet kann sie durch erneutes betätigen des Auslösers eingeleitet werden. Die Kamera macht nun Aufnahmen in einer Schleife. Das erste Bild wird in einem Speicher übertragen, das gespeicherte Bild wird auf dem Monitor angezeigt. Nach Abschluss jeder weiteren Aufnahme werden die, im vergleich zur gespeicherten Aufnahme, helleren Bildbestandteile auf das gespeicherte Bild übertragen. Das auf dem Monitor angezeigte Bild wird aktualisiert, so dass bei der Betrachtung sich das Bild mit jeder Teilbelichtung entwickelt.

Diese Schleife wird so lange durchlaufen, bis durch ein weiters Drücken des Auslösers die Aufnahme beendet wird. Die errechnete Aufnahme wird nun als RAW-File auf die Karte geschrieben.

Da immer nur die hellsten Bestandteile übernommen werden, erfolgt keine Kumulation des einfallenden Lichtes. Überbelichtungen sind weitestgehend ausgeschlossen.

Einschränkungen

Die Kamera kann im Live Composite Modus nicht mit allen sonst möglichen Parametern betrieben werden. Restriktionen sind:

  • Mögliche Belichtungszeiten: 1/2 Sek. 1/1,6 Sek., 1/1,3 Sek., 1 Sek., 1,3 Sek., 1.6 Sek., 2 Sek., 2.5 Sek., 3,2 Sek., 4 Sek., 5 Sek., 6 Sek., 8 Sek., 10 Sek., 13 Sek., 15 Sek., 20 Sek., 25 Sek., 30 Sek., 40 Sek., 50 Sek., 60 Sek.
  • Maximale Empfindlichkeit betragt ISO 1600, L64 und L100 sind möglich
  • Die maximale Aufnahmezeit beträgt 3 Stunden, soweit der Akku durchhält
  • Die Bildstabilisation ist deaktiviert

Fazit

Live Composite ist ein Modus, der im Rahmen einiger Einschränkungen, bei Langzeitbelichtungen einen erweiterten Spielraum gibt.

Quellen

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