Fotowissen für Anfänger

Ist bei mir schon über 40 Jahre her, Kamera gekauft und versucht Fotos zu machen. Ich habe damals nicht in dem Wahn gelebt, nach dreimal Knipsen der Star im Internet zu sein. Ich hatte auch keinen japanischen Ingenieur an meiner Seite, der die Einstellungen der Kamera für mich vornahm. Meine erste Kamera hatte schlicht weg und ergreifend keine elektrischen Bestandteile, die war rein mechanisch. Deshalb will ich einmal der Frage nachgehen, welche Fähigkeiten müssen entwickelt werden, womit sich ein Anfänger auseinandersetzen muss, um sicher mit der Kamera umgehen zu können und akzeptable Ergebnisse zu bekommen. Es ist mir durchaus bewusst, das es auf dem Markt jedem Menge Literatur gibt, im Internet jede Menge Tutorials in hochgradig unterschiedlicher Qualität herumschwirren. Es ist meine Feste Überzeugung, der Weg ist wesentlich einfacher: Einfach mit dem Fotografieren anfangen und aus den Fehlern lernen.


Technik

  • Technik ist in der Fotografie ein notwendiges Übel.
  • Minimalausstattung eines klassischen Fotografen ist eine Kamera mit Objektiv.
  • Fotografiert werden kann auch mit in Smartphones oder Tabletcomputern verbauten Kameramodulen.
  • Die Geräte sind mit Automatiken ausgestattet, die zunächst die essentiellen Aufnahmen übernehmen können.

Fehler sind dazu da, gemacht zu werden

  • Unverstandenes Wissen und Halbwissen hemmt die Entwicklung und damit den Spaß an der Fotografie.
  • Kein Meister ist vom Himmel gefallen, es hat auf dich allerdings auch niemand gewartet.
  • Jeder Fehler hat eine Ursache, diese muss herausgearbeitet werden um sie zu später vermeiden
  • Niemand ist gezwungen, alle seine Fotos irgendwo zu veröffentlichen, schon gar nicht auf FB oder Instagram

Lerne deine Kamera kennen

  • Eine Kamera ist ein Werkzeug – und bei jedem Werkzeug muss das Handling bekannt sein damit es eingesetzt werden kann.
  • Kein Kamerahersteller hat irgendwelche Sonderrechte in Physik und Technik. Alle Kameras basieren auf gleicher Technologie, ignoriere Markenkriege.
  • Zur Kamera gehört eine Bedienungsanleitung. Vieles ist bei allen Kameras gleich, es gibt aber auch Unterschiede.
  • Einfach ausprobieren, welche Einstellung was bewirkt und mit anderen Aufnahmen vergleichen.
  • Im Englischen gibt es einen schönen Begriff: Drill – Einüben von Abläufen. Die Kreativität bleibt auf der Strecke, wenn vor jeder Situation erst das Fratzenbuch befragt werden muss. Im Leben ist meist nicht genügend Zeit, erst Stundenlang in Anleitungen zu suchen.

Lernen, die technische Entstehung eines unbekannten Fotos zu lesen

  • Fotografie ist ein technischer Vorgang, der dominiert ist von der Art der Abbildung, dem Standort, des Bildwinkels, der Belichtung. Alles dieses hinterlässt Spuren im Foto, die erkannt werden können. Wie verlaufen die Schatten, wie hart sind sie1? Wie sind die Objekte zueinander angeordnet und welche Größenrelation haben sie? Wirken Gesichter komprimiert? Da gibt es eine ganze Reihe von Merkmalen, die verraten womit und wie das Bild entstanden ist.
  • Es ist dabei nicht allzu relevant, ob da nun die Brennweite 32 oder 37 mm betrug, oder ob die Belichtungszeit 1/125 anstatt 1/400 sec betrug. Wichtig ist es, den groben Bereich abzuschätzen, genauere Werte führen bestenfalls zu einer Scheingenauigkeit.
  • Diese Spuren werden sich auch in deinen eigenen Aufnahmen wiederfinden.

Bildgestaltung

  • These: Bildgestaltung basiert auf der Wahrnehmung (Objekt-, Farben- und Bewegungserkennung, Gewöhnung) des Menschen. Diese ist auf der untersten Ebene bei fast allen Menschen gleich.
  • These: Je spezifischer, je dedizierter eine Regel ist, desto unbrauchbarer ist sie.
  • These: Regeln der Bildgestaltung sind nicht universal und allgemein geltend.
  • These: Es gibt Regeln, die eine feste Beziehung suggerieren und über die deshalb viel und oft geschrieben wird, ohne diese zu Hinterfragen.
  • These: Der Fotograf, die Fotografin ist gehalten, den Betrachteten zu seinem Motiv zu führen.

Die Wahl des Standortes: Perspektive

Aegidienkirche in Hannover, Aufnahme mit SWW (7mm MFT)
  • Die Perspektive bestimmt die Lage der Objekte zueinander.
  • Der Name Perspektive leitet sich aus dem Lateinischen perspicere ‚hindurchsehen, hindurchblicken’ ab.
  • Die Perspektive ist bestimmt durch
    • den Standort (Aufnahmeort) im Bezug auf das Motiv und
    • die Art der Abbildung durch das Objektiv.
  • Die überwiegende Zahl der Objektive verwendet die Zentralprojektion als Art der Abbildung, darüber hinaus gibt es noch Fischaugenobjektive.
  • Die Perspektive beinhaltet ebenfalls die Höhe der Kamera in Bezug zum Motiv
    • Vogelperspektive – Aufnahme von oberhalb des Motivs / Blick von oben
    • Augenperspektive – Aufnahme aus Augenhöhe
    • Bodenperspektive – Aufnahme am Fuße eines sehr großen Objektes (Mast, Burg, Hochhaus)
    • Froschperspektive – Aufnahme aus einer niedrigen Kameraposition
  • Durch den Standort können unerwünschte Bildelemente aus dem Foto herausgehalten werden.
  • Die Perspektive bestimmt den für die Aufnahme notwendigen Bildwinkel und damit die zu verwendende Brennweite.
  • Umgekehrt kann die Perspektive auch nach der Brennweite des verwendeten Objektivs ausgewählt werden.

Der richtige Zeitpunkt: Timing

Wisentgehege Springe, Streit zwischen dem Braunbärenpaar
  • Das Timing bezeichnet den richtigen Zeitpunkt der Aufnahme
  • Das Zeitinterwall beim Timing kann sich über jahrelanges Warten auf ein Event (z. B. Sonnenfinsternis) über Tage (z. B. warten auf das richtige Licht in der Landschaftsfotografie) bis hin zu wenigen Millisekunden und weniger (z. B. Zieleinlauf beim Sport) erstrecken.
  • Es gibt in der Fotografie eine alte Regel: Du kannst nicht Fotografieren, was du siehst. Die Aufnahme muss immer vorher ausgelöst werden (menschliche Reaktionszeit, Auslöseverzögerung …). Es ist ein Verständnis für Abläufe notwendig.

Sich die Erfahrung anderer nutzbar machen: Templates

Aufnahme aus dem Fahrstand einer S-Bahn beim Durchfahren einer Brücke. Fluchtpunkt im oberen Bereich, Linien führen dorthin.
Gebäude auf dem Hefehof / Hameln. Fluchtpunkt im oberen Bereich, Gebäudekanten und Fenster bilden Linien dorthin.
Bunkerbesichtigung Helgoland, der Fluchtpunkt liegt im oberen Bildbereich, Linien führen direkt dorthin

Beispiel eines Templates zum Thema Fluchtpunkt und Linienführung

  • Templates sind Vorlagen, die auf den speziellen Anwendungsfall angepasst werden.
  • Templates werden z. B. bei der Anpassung von Content Management Systemen an die Erfordernisse einer Website verwendet.
  • Es gibt verschiedene Bezeichnungen für Templates wie z. B. Presets
  • Templates sind schneller umzusetzen als wenn man sich durch Regeln hindurchfrisst
  • Zu häufig verwendeten Templates zählen Ebenen und Ramen.
  • Templates müssen nicht nur auf eigener Erfahrung basieren, sie können auch Lösungen anderer Fotografen beinhalten.

Flächennutzung

  • Bei einem Foto handelt es sich um eine (zweidimensionale) Fläche, die über eine Abbildungsvorschrift (Art der Projektion des Objektivs) aus einer (dreidimensionalen) räumlichen Umwelt gefüllt wird.

RAM

  • RAM = Raus Aus (der) Mitte
  • Zentrierte Objekte wirken meistens langweilig
  • Basis für RAM ist der Goldene Schnitt und dessen Ableitungen wie Drittel – Regel
  • Es ist meistens von Vorteil, die Handlung / Blickrichtung in das Bild hinein zu führen

Symmetrie

  • Symmetrie liegt vor, wenn Bildteile an einer Achse gespiegelt, deckungsgleich aufeinander abgebildet werden können.
  • Die Spiegelachse kann sowohl horizontal als auch vertikal oder schräg verlaufen.
  • Üblicherweise verlaufen die Spiegelachsen in der Mitte der Fläche
  • Es können mehrere Spiegelachse innerhalb einer Symmetrie vorhanden sein, die meist um 90° gegeneinander gedreht sind. Die Anzahl der Achsen hängt mit der Komplexität des symmetrischen Objektes zusammen.

Veröffentlichung

Es muss nicht alles veröffentlicht werden

  • Er erste, der deine Aufnahme sieht, bist du selbst. Du musst entscheiden, ob die Aufnahme so bestehen bleiben soll, oder ob sie wiederholt werden muss. Es ist deine ureigene Entscheidung, die dir keine Abstimmung auf FB abnehmen kann.
  • Aus einer belanglosen Aufnahme wird nicht der Renner, nur weil das Bild mit Filtern bis an den Rand des Augenkrebses bearbeitet worden ist.

Vorsicht vor Facebook und Co.

  • These: Facebook und Instagram sind Basen für den Verkauf von Werbung entweder durch den Betreiber oder durch die Teilnehmer, daraus wird auch kein Hehl gemacht.
  • These: Es gibt keine schlechten Fotos, es gibt nur das falsche (Ziel)Publikum.
  • Facebook ist kein Fotosharer, es bietet eine Mischung aus professioneller Werbefotografie, redaktionellen Begleitfotos, Graphiken, Amateurfotos unterschiedlichen Niveaus und vieles mehr an. Vieles überfordert schlicht weg einen Anfänger, weckt falsche Vorstellungen. Anderes wiederum ist der simple Schrei nach Aufmerksamkeit.
    • Werbefotografie ist eine suggestive Zweckfotografie, die mit einem relativ großen professionellen Aufwand einher geht. Die Aufnahmen sind auch psychologisch sehr gut durchdacht und aufgebaut. Das ist keine Kost für Anfänger, die er verdauen kann und führt über kurz oder lang zu Frust.
    • Redaktionelle Fotos werden nicht unbedingt nach ihrer fotografischen Qualität ausgewählt, es geht dabei darum, den Text begleitend zu illustrieren.
    • Grade auf FB und Instagram ist der Schrei nach Aufmerksamkeit. gibt es jede Menge Fotos, die mit überrissenen Filtern versuchen Aufmerksamkeit zu erhaschen.
  • Auf FB bestimmt im wesentlichen ein ein mathematischer Algorithmus was du zu sehen bekommst. Die Umsetzung ist zwar Geheim, FB bevorzugt aber offensichtlich Fotos und Videos, die dem Betriebszweck Werbung entgegen kommen. Selbst innerhalb von Gruppen werden die Fotos bevorzugt von FB angezeigt, die bereits häufig geliked worden sind.
  • Auf FB gibt es viele viele Gruppen, allerdings relativ wenig Leute, die Ahnung haben. Wenn du auf eine Frage 20 Antworten bekommst, welche ist die richtige?


Aufrufe: 29

Schreibe einen Kommentar

error: Content is protected !!