Die Thesen des Dieter Rams

Dieter Rams ist ein international bekannter Industriedesigner, auf seine Vita möchte ich hier nicht weiter eingehen, sie kann auf Wikipedia verfolgt werden. Er hat bereits in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Reihe von Gestaltungsregeln als Thesen zum Thema eines guten Designs aufgestellt:

  1. Gutes Design ist innovativ
  2. Gutes Design macht ein Produkt brauchbar
  3. Gutes Design ist ästhetisch
  4. Gutes Design macht ein Produkt verständlich
  5. Gutes Design ist unaufdringlich
  6. Gutes Design ist ehrlich
  7. Gutes Design ist langlebig
  8. Gutes Design ist konsequent bis ins letzte Detail
  9. Gutes Design ist umweltfreundlich
  10. Gutes Design ist so wenig Design wie möglich

Design und Fotografie haben nun einiges gemeinsam, so dass diese Thesesn auch auf die Fotografie anwendbar sein sollten:

  • Es handelt sich bei beiden um einen kreativen Prozess bei dem etwas erschaffen werden soll.
  • Bei beiden wird die endgültige Bewertung durch Dritte durchgeführt, die in den Erschaffungsprozess nicht involviert und dem Designer / Fotografen unbekannt sind.

Übertragen auf die Fotografie

Ein gutes Foto, eine gute Fotoserie ist innovativ

  • Innovation bedeutet etwas neues zu Erschaffen
  • Nicht immer neue Versionen eines Themas anfertigen
  • Neue Themen angehen und neue Aufnahmetechniken ausprobieren
  • Sich auch mit Genres beschäftigen, die nicht im eigenen Betätigungsfeld liegen
  • Nichts ist auf Dauer für einen Betrachter ermüdender, als das was er schon gesehen hat
  • Sich auf dem Mainstream umsehen, aber nicht daran teilnehmen

Ein gutes Foto, eine gute Fotoserie ist brauchbar

  • Unter der Brauchbarkeit fallen sowohl technische als auch inhaltliche Elemente
    • zu den technischen Vorgaben gehören die Elemente unter anderen: Schärfe, Farbsättigung, Bildausschnitt, Bildaufbau, Perspektive, Motiverkennbarkeit …
  • Es gibt bei einem Betrachter Erwartungen in ein Foto bzw. eine Fotoserie, diese können
    • unausgesprochen Vorausgesetz sein, wie z. B. genretypische Vorgaben oder
    • deklariert sein, wie z. B. Vorgaben für Fotoausstellungen und Wettbewerbe, sein.
    • Die Erwartungen können in Zielgruppen geordnet werden.
  • Die Brauchbarkeit hängt vom Verwendungszweck ab.
    • Fotos können sowohl der Informationsträger als auch zur Unterstreichung eines Textes verwendet werden.

Ein gutes Foto, eine gute Fotoserie ist ästhetisch

  • Ästhetik wird oft mit der Lehre vom Schönen assoziiert. [Wikipedia]
  • Wörtlich übersetzt bedeutet Ästhetik die Lehre von der Wahrnehmung. [Wikipedia]
  • Die emotionale Ebene des Fotos, lt. Weber / Sehen, Gestallten und Fotografieren gibt es eine Kategorie von Bildern mit einem überwiegend Emotionsgehalt.
  • Eine emotionale Wahrnehmung findet nicht nur bei schönen Motiven statt.
  • Unter diesen Punkt fallen auch Raumeinteilungsregeln (Goldener Schnitt, Drittelregel), Symmetrien, …
  • Die emotionale Ebene eines Bildes ist von der Erfahrung und dem Wissen des Betrachters abhängig.

Ein gutes Foto, eine gute Fotoserie ist verständlich

  • Der Betrachter muss den Inhalt des Bildes verstehen und interpretieren können.
  • Ein Foto, eine Bildserie muss einen den Betrachter bekannten Ankerpunkt beinhalten, von dem aus er das Bild erschließen kann.
  • Verständnis eines Bildes ist von der Erfahrung und dem Wissen des Betrachters abhängig.

Ein gutes Foto, eine gute Fotoserie ist unaufdringlich

  • Inhaltlich gute Fotos bedürfen keiner Aufdringlichkeit.
  • Fotos sollen dazu führen, dass ich als Fotograf, jenseits des wegklicken, wahrgenommen werde.
  • Was Aufdringlich ist und was als Reiz zur Betrachtung wahrgenommen wird, liegt beim Betrachter.

Ein gutes Foto, eine gute Fotoserie ist ehrlich

  • Eine Fotografie ist immer eine Momentaufnahme
  • Ein Foto beinhaltet keine Historie, man weiß nicht zwangsläufig, wie und wo das Foto entstanden ist.
    • In der Tierfotografie betrifft dieses besonders die Zoofotografie oder Anfütterungen.
  • Digitale, wie auch klassische Fotos lassen sich nach der Bearbeitung inhaltlich durch hinzufügen oder entfernen von Elementen verändern ohne dass dieses dem Betrachter bewusst wird.
  • Ehrlichkeit betrifft weniger Fineart als Fotografie mit dokumentarischen Hintergrund.
  • Auch Kontraststeigerungen können eine Manipulation sein, wenn hierdurch die Dramatik gesteigert wird.

Ein gutes Foto, eine gute Fotoserie ist langlebig

  • Ein gutes Foto ist auch nach Jahren noch gut.
  • So wenig Trends und Zeitgefühl wie möglich, da diese sich schnell ändern können.

Ein gutes Foto, eine gute Fotoserie ist konsequent bis ins letzte Detail

  • Ein Foto, eine Fotoserie hat einen Titel, eine Beschreibung aus der das Thema hervorgeht und das umgesetzt werden sollte.
  • Keine stilistischen Wechsel innerhalb einer Fotoserie

Ein gutes Foto, eine gute Fotoserie ist umweltfreundlich

  • Unnötigen Aufwand vermeiden.
  • Ein Foto muss nicht auf Teufel komm heraus gemacht werden.

Ein gutes Foto, eine gute Fotoserie hat so wenig Design wie möglich

  • Zuviel Einflussnahme auf das Motiv kann zu einer unglaubwürdigen oder fehlerhaften Darstellung führen.
  • Übermäßiges Design kann beim Betrachter zur Langenweile führen, wenn ihm der Interpretationsspielraum fehlt.
  • Elemente, mit denen ein Foto aufgebaut worden ist, können vom Betrachter anders interpretiert werden als vom Fotografen, da beide einen unterschiedlichen Erfahrungshorizont haben.

Fazit

Es handelt sich um weiche Thesen, wie bei den meisten Gesetzten in der Fotografie, z. B. den Gestaltungsregeln. Sie sind aus Erfahrung entstanden und können weiterhelfen, müssen es aber nicht.

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